Der Feldberg ruft!

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Dokumentation

  • Erstausstrahlung:
  • Länge: 3 x 30 Minuten
  • Regie: Andreas Geiger

Produktion

  • Eikon Südwest GmbH
  • Produktionsjahr: 2008

Kontakt

  • Christian Drewing
  • EIKON Media GmbH
    Niederlassung Stuttgart
    Talstrasse 41
    70188 Stuttgart
  • Tel. 0711-2483455
  • drewing@eikon-film.de

Eine Produktion der EIKON Südwest im Auftrag des SWR.

Über 150 Tage im Jahr eine geschlossene Schneedecke, drei Grad Celsius mittlere Jahrestemperatur, der August als einziger Monat in dem es bisher noch nicht schneite und in der Gemeinde wohnen rund 1500 Menschen, die jährlich 500.000 Touristen versorgen - willkommen auf dem höchsten Berg Baden-Württembergs: Der Feldberg.

Teil 1 – Wir sind bereit
Jedes Jahr aufs Neue bereiten sich die Feldberger auf die neue Wintersaison vor. Nicht nur die Pisten werden gerichtet. Die Lebensmittelvorräte werden aufgefüllt, die Familien teilen sich untereinander die Aufgaben ein und die Arztpraxis an der Talstation braucht Gips für die bis zu täglich 40 Knochenbrüche.

Wer am Feldberg lebt, ist mit einem mehrmonatigem Ausnahmezustand konfrontiert. Direkt oder indirekt ist jeder Feldberger vom Tourismus abhängig. Mit einem Blick hinter die Kulissen schauen wir, wie einige typische Feldberger ihr Leben hoch oben am Berg meistern.

Die Familie Waldvogel ist schon seit mehreren Generationen vor Ort und betreibt eine Pension und ein Restaurant neben der Piste. Die brasilianisch-schwarzwälderische Familie Haufen ist gerade im „Elternjahr“ und geht dem Trubel aus dem Weg. Der mauritische Arzt Dr. Boolakee hat seit 15 Jahren seine Unfallpraxis an der Talstation und  keiner kennt das Wetter besser als Herr Laile, der seit 40 Jahren auf der Wetterstation am Gipfel arbeitet.

Teil 2 -  Ausnahmezustand

Die Wintersaison am Feldberg hat ihren Höhepunkt erreicht. Tausende von Touristen sind angereist. Die Parkplätze sind voll, die Lifte sind ausgelastet und an den Hängen befinden sich bis zu 10.000 Skifahrer. Skizirkus am Seebuck. Vor allem Tagesgäste aus dem Umland nutzen die gute Verkehrsanbindung des Feldbergs, aber traditionell auch viele Holländer haben den Berg in ihr Herz geschlossen. Die Einheimischen sind alle eingespannt in den Tourismus-Betrieb. Egal ob Skilehrer, Arzt oder Antiquitäten-Händlerin, fast jeder Feldberger ist abhängig von den Feriengästen.

Viele lernwillige Skischüler nehmen Unterricht bei einem alten Hasen: Rolf Weyler ist Dienst ältester Skilehrer am Feldberg und kennt jeden einzelnen Baum. Kein Wunder, als junger Mann ist er die Piste zu Fuss hochgelaufen, um den Liftpreis zu sparen. Heute verbringt er den Winter auf dem Feldberg und den Sommer auf Korfu: er ist auch noch Dienst ältester Tauchlehrer in Griechenland.

Bei soviel Verkehr auf der Piste passieren Skiunfälle am laufenden Band. Ein Glück, dass direkt an der Talstation die Arztpraxis von Dr. Boolakee ist. Die Verletzten werden von der Piste direkt in die Praxis gefahren, geröntgt, gegipst und wieder eingerenkt. Ein harter Knochenjob, den Dr. Boolakee jeden Winter hier macht. Auch er ist ein Saisonarbeiter, der nach Dauereinsatz auf dem Feldberg, im Frühjahr nach Mauritius fliegt, zurück in seine „andere Heimat“.

Frau Glaser hat in Altglashütten einen Antik- und Trödelladen. Als Mutter von zwei Töchtern betreibt sie ihren Laden im eigenen Haus. Spezialisiert hat sie sich auf Schwarzwaldtypische Gegenstände, die sie bei Haushaltsauflösungen in alten Bauernhäusern findet. Auch unter den Skifahrern gibt es sie, die Liebhaber schöner alter Dinge. Nicht jeden Tag kommt Kundschaft vorbei, aber ein Kunde, der ordentlich was kauft, reicht ihr auch vollkommen.

Teil 3 - Endspurt

Der Skibetrieb am Feldberg läuft seit drei Monaten nonstop und es ist auch kein Ende zu erkennen. Schnee en masse, Skifahrer von nah und fern und die Feriengäste sind begeistert.

In der Notfallpraxis von Dr. Boolakee häufen sich die Fälle. Kein Wunder, denn am Ende der Saison vereisen die Pisten am Feldberg zusehends- immer mehr Skifahrer stürzen. Ein französischer Junge hat sich beim Snowboarden einen komplizierten Bruch zugezogen, den Dr. Boolakee mit viel Aufwand behandelt und eingipst. Ein Aufwand, den er mittlerweile von den Kassen nicht mehr bezahlt bekommt. Aber was soll er machen- er kann doch einen Patienten mit gebrochenen Arm nicht einfach weg schicken.

In der Bäckerei Bizenberger verstecken sich so manche Schwarzwälder Leckereien. Neben der Bäckerei und dem Cafe gibt es die Schnapsbrennerei. Elisabeth Bizenbergers Meisterstück ist die Schwarzwälder Kirschtorte und ihr Mann Erich liefert dazu die wichtigste Zutat- selbst gemachtes Schwarzwälder Kirschwasser. Und wenn es in den 30 Jahren Teamarbeit mal kracht, haben sie ein altbekanntes Rezept: dann wird stille Messe gefeiert.

Wenn man am Ende des Tales unterhalb vom Feldberg seltsame Klopfgeräusche hört, hat man ihn gefunden: Hubert Drescher- der Daniel Düsentrieb vom Schwarzwald. Aus seiner Leidenschaft für Oldtimer hat er eine kleine Werkstatt gemacht, in der weltberühmte Autos wie Porsche oder Mercedes Limousinen komplett nachgebaut werden. Und zwar- man glaubt es kaum- von Hand. Herr Drescher dengelt auf seinem uralten Schwarzwälder Baumstamm Bleche bis sie passen.

Sein neuester Auftrag: Porsche hat bei ihm den Nachbau des ersten Hybridwagens der Welt bestellt. Ein Fahrzeug aus den 20er Jahren, von dem es lediglich noch ein einziges Schwarzweiss-Foto als Vorlage gibt.

Zwischendurch hilft er mit seinem Können an ganz anderer Stelle: Für Patienten mit Schädelverletzungen klopft er von Hand feinste Schädeldecken aus Titanblech- so dünn wie sie kein Computer der Welt herstellen könnte und perfekt angepasst an den Patienten. Feinste Handarbeit aus dem Schwarzwald.

Das Ende der Saison ist bald erreicht. Für alle war es ein super Winter. Trotz der vielen Arbeit und Entbehrungen hat es sich gelohnt.

In einem sind sich die Feldberger einig, Beharrlichkeit und Ausdauer hängen eng mit der Schwarzwälder Mentalität zusammen. Und die braucht man auch - allein um die lang andauernde Skisaison am Feldberg durchzuhalten.

  • RegieAndreas Geiger
  • AutorAndreas Geiger