Dinge, die man tun kann, wenn man tot ist

Dokumentation

  • Erstausstrahlung:
  • Länge: 52 Minuten
  • Regie: Tanja Hamilton

Produktion

  • Eikon Südwest GmbH
  • Produktionsjahr: 2008
  • Produzent: Christian Drewing

Kontakt

  • Christian Drewing
  • EIKON Media GmbH
    Niederlassung Stuttgart
    Talstrasse 41
    70188 Stuttgart
  • Tel. 0711-2483455
  • drewing@eikon-film.de

Eine Koproduktion der EIKON Südwest mit WDR, ARTE und Lichtpunt, gefördert von der MFG Baden Württemberg.

Wer glaubt, nach dem Ableben sei Schluss, kann mit der Filmemacherin Tanja Hamilton auf eine sehr außergewöhnliche Reise jenseits des Lebens gehen. Nach dem Tod nur in einem Grab zu verrotten? Dabei wollen es viele nicht bewenden lassen: In Deutschland, USA und Frankreich lässt sich weit mehr mit seinem Körper anstellen, als man gemeinhin denkt. Natürlich muss man erst mal bereit sein, den eigenen Körper herzugeben. Eine nicht ganz einfache Entscheidung. Und ob man den Menschen, denen Tanja Hamilton begegnet ist, auch als Leichnam unter die Finger kommen will? Der Zuschauer der Dokumentation kann sich darüber selbst ein Bild verschaffen.

Das Anatomische Institut der Kieler Universität beherbergt eine der weltweit schönsten anatomischen Sammlungen. Hier kann ein Spender gleichzeitig seinem Wunsch der Wissenschaft zu dienen nachkommen, wie auch eine eventuell zu Lebzeiten vorhandene exhibitionistische Neigung befriedigt werden. Oberpräparator Günther-Rolf Klaws ist der Pop Art-Künstler unter den Angehörigen seiner Zunft. Seine Kreationen sind ungewöhnlich farbenfroh und höchst ästhetisch. Für die Ausstellung nimmt er nur die schönsten Organe der Körperspender. Wer Pech hat und kein besonders attraktives Inneres vorzuweisen hat, wird nur für Lehrzwecke präpariert. Besonders gelungenen Exemplaren winkt dagegen die Reise zum alljährlichen Kongress bundesdeutscher Präparatoren.

In der Universitätsklinik Maryland, Baltimore geht es schon weit handfester zu. Chirurgen üben in Seminargruppen oder einfach auch mal in der Freizeit an frischen Leichen ihre Fingerfertigkeit. Der besondere Dienst, den man den Übenden als Leiche tut: Man blutet nicht. Ronald Wade, der Leiter des Anatomischen Institutes, erklärt, es sei ja schließlich besser an Leichen Operationstechniken zu verbessern, als dies durch Assistenzen und Zuschauen während "normaler" Operationen zu tun. Und so mancher Chirurg hätte gerne eine Leiche zu Hause.

Am Anthropologischen Forschungsinstitut der University of Tennessee sind die Untersuchungsmethoden an Leichen weitaus weniger invasiv. Hier wird ihr Körper im Grunde sich selbst und den Kräften der Verwesung überlassen - alles unter wissenschaftlicher Beobachtung selbstverständlich. Die meisten Untersuchungsobjekte liegen einfach hinter dem Zentrum auf der Wiese; manche bekleidet, andere nackt. Ein paar Auserwählte erfahren eine Sonderbehandlung: Sie werden begraben, in Plastikfolie eingewickelt oder in einem Kofferraum verstaut. Alle gängigen Methoden der kriminellen Leichenbeseitigung wurden hier schon an den Testobjekten angewandt. Rachel Parkinson ist darauf spezialisiert anhand von Verwesungsbakterien Todeszeitpunkte zu bestimmen. Ihre Meinung: "Seid froh, dass man verwest - stellt Euch vor, alle Toten würden einfach weiter so rumliegen!", sagt sie.

 In der Universität Marseille am Institut für angewandte Biomechanik führt Christian Brunet die Regie. Europaweit können etwa 8.500 Menschenleben jedes Jahr durch die Ergebnisse biomechanischer Untersuchungen an Leichen gerettet werden. Ihnen ist die Sitzgurtpflicht zu verdanken und sie sind der Grund, weshalb es heute möglich ist, mit 90 Kilometern pro Stunde gegen eine Mauer zu fahren und trotzdem zu überleben. Fatal ist es allerdings, als Fußgänger von einem Jeep überfahren zu werden. Das zeigt auch der Versuch: Nicht einmal eine Leiche hätte bei diesem Unfallhergang eine Überlebenschance.

Besonderen Dank an 
Anatomisches Institut, Universität Kiel, Prof. Dr. Dr. Michael Schünke,
Anatomical Services Division, University of Maryland, Ronald Wade
Laboratoire de Biomécanique Appliquée, Marseille, Thierry Serre, Catherine Masson, Dörthe Eickelberg, Andy Kaiser, Claudia Rauch, Marion and Vanessa Hamilton und alle Protagonisten, tot oder lebendig

  • RegieTanja Hamilton
  • AutorTanja Hamilton
  • KameraKumaran Herold
  • SchnittNikola Gehrke
  • Musik/KompositionJens Grötzschel
  • TonOliver Stahn
  • ProduktionsleitungMette Gunnar
  • ProduzentChristian Drewing
  • RedaktionOlaf Grunert (ARTE), Claudia Bucher (ARTE), Christiane Hinz (WDR)