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Herzbrücke

Kinderretter zwischen Hamburg und Kabul

Herzbrücke
Trailer "Herzbrücke"
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Aisha, ein Mädchen, das wegen eines schweren Herzfehlers vom Projekt "Herzbrücke" zur OP nach Hamburg gebracht wird
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Herzchirurg Prof. Christian Rieß mit seinem Team
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Aisha übernimmt das Steuer bei einer Hafenrundfahrt
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Kahlid war vor Jahren Patient der Herzbrücke
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Das Kamerateam in Afghanistan
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Dokumentation

  • Erstausstrahlung:
  • Länge: 50 Minuten
  • Regie: Andreas Kuno Richter
  • Sender: RTL

Produktion

  • EIKON Nord GmbH
  • Produktionsjahr: 2017
  • Produzent: Thorsten Neumann

Kontakt

Eine Produktion der EIKON Nord in Zusammenarbeit mit der EKD, Christan Engels. Im Auftrag von RTL.

Husnia und Aisha aus Afghanistan sind in Lebensgefahr. Beide Mädchen kamen mit einem schweren Herzfehler auf die Welt. Aisha vor sechs Jahren und Husnia vor elf Jahren. Im Land am Hindukusch gibt es keine ausreichende medizinische Versorgung.  Ein Todesurteil, vor allem für die Kinder aus armen Familien. Ihnen bleibt nur die Hoffnung auf ein „Wunder“.

Die Rettung für Husnia und Aisha, ihre letzte Chance geheilt zu werden: eine OP in Deutschland. Das Projekt heißt: Herzbrücke.

Durch die Hamburger evangelisch-freikirchliche Albertinen-Stiftung kamen in den vergangenen zwölf Jahren 157 afghanische Kinder nach Deutschland. Sie leben zeitweilig in Gastfamilien, werden erfolgreich operiert und kehren gesund nach Kabul zurück.

Die RTL-Reportage begleitet im Sommer 2017 zehn Mädchen und Jungen auf ihrem Weg ins neue Leben.

Die filmische Reise beginnt im April 2017 am Rande Kabuls. Der Intensivkrankenpfleger Alberto Correia aus Deutschland und sein Dolmetscher Zia Taher besuchen zwei afghanische Familien. Trotz der gefährlichen Sicherheitslage. Sie lernen die herzkranke Aisha auf einem Hof am Rande der Stadt beim Fußballspiel kennen. Kaum ist dem Kind anzumerken, dass es ohne baldige Operation sterben muss. Die deutschen Helfer treffen auch die Familie von Husnia. Der Vater berichtet vom Krankheitsverlauf seiner Tochter und ist glücklich, dass sie ausgewählt wurde. Er selbst könne solch eine medizinische Behandlung niemals bezahlen.

Im staatlichen Indira-Gandhi-Kinderkrankenhaus fehlen Mittel und Spezialisten. Der Kardiologe Dr. Aslam Alkozai arbeitet eng mit dem Ärzte-Team vom Hamburger Albertinen-Krankenhaus zusammen. Er erstellt die Diagnosen und übermittelt alle Daten nach Deutschland. Nach gemeinsamer Prüfung können für jede Herzbrücke-Mission zehn Kinder  zur Operation nach Hamburg reisen.

Ein Kamerateam der EIKON Nord fliegt mit Husnia und Aisha von Kabul nach Hamburg. Wie wird solch eine Reise vorbereitet, finanziert und durchgeführt? Die beiden Mädchen aus Kabul wohnen acht Wochen lang in Hamburg. Wie werden sie sich in den Gastfamilien einleben?

Der Diakonie-Verein Blankenese tritt als gesetzlicher Vormund aller Gastkinder auf. Auch diese Hilfe ist ehrenamtlich. Er garantiert, dass es jedem der kleinen Gäste gut geht. „Herzbrücke“ ist eine gewachsene und professionelle Hilfe für Kinder in Not.

Das alles wird möglich durch ehrenamtliches Engagement und durch Spenden. Ein Benefizkonzert in der Kirche St. Michaelis zum Beispiel trägt dazu bei. Hauptpastor Alexander Röder: „Das ist eine Verbindung, die ja mehr ist als Solidarität. Die ist ja tatsächlich ein Zeichen großer Nächstenliebe über Religionsgrenzen hinweg und ein Zeichen größter Menschlichkeit.“

Spätestens im Operationssaal wird klar, wie riskant aber notwendig solch ein medizinischer Eingriff bei Aisha und Husnia ist. Herzchirurg Prof. Christian Rieß operiert alle Kinder. Er ist medizinischer Leiter der Herzbrücke. Seine Frau Annette koordiniert die Zusammenarbeit mit den Gasteltern, die sich ausnahmslos alle ehrenamtlich um die afghanischen Patienten sorgen.

Für Christian Rieß ist klar: „Entweder haben Menschen das in ihrem Herzen, dass sie sagen ja, das ist eine tolle Sache, weil ich ein Leben normal verlaufen lassen kann. Das Kind stirbt nicht mit sechs, sieben, acht oder zehn Jahren, sondern es hat ein normales Leben. Und ich habe im Nebeneffekt, dass zwei Länder aufeinander zugehen“.

In Kabul trifft das Team auf weitere Kinder. Behestha und Khalid wurden vor Jahren in Hamburg operiert. Sie erhalten von ihren ehemaligen Klassenkameraden und Gastfamilien Video-Grüße, die sie gern beantworten. Paul aus der 3A in der Grundschule Lütjenmoor spricht das erste Mal wieder zu seinem Freund in die Videokamera: „Khalid, ich vermisse dich sehr. Wie viele Freunde hast du in deiner Schule in Kabul? Und kannst du für mich ein wenig filmen in deiner Klasse und zuhause?“ Die Herzbrücke hat nicht nur das Leben der kleinen afghanischen Patienten geprägt. 

Die heute vierzehnjährige geheilte Behestha hat ein klares Ziel vor Augen. Sie will Medizin studieren. „Als Ärztin möchte ich meinen Landsleuten helfen, gesund zu werden. Ich wünsche mir von den Afghanen, dass sie etwas lernen und ihrem Land helfen. Herzchirurgin möchte ich werden.

„Die Mädchen und Jungen kehren als Friedensbotschafter aus Deutschland zurück in ihre Heimat”, weiß Sabine Pfeifer von der Albertinen-Stiftung.

Herzbrücke. Ein lebensfroher Film. Er zeigt, wie Husnia und Aisha die neue Welt und ihr neues Leben entdecken, wie sie voller Spaß und Fantasie gemeinsam mit den Gastfamilien die Zeit vor und nach der lebensrettenden Herzoperation verbringen.

Fragen an Andreas Kuno Richter (AKR)

Nach den letzten beiden RTL-TV-Dokumentationen „Sie mussten die Hölle sehen. Auf der Flucht vor Boko Haram.“ und „Am Limit. Zeugen der Katastrophe im Mittelmeer.“ ist der neue Film wieder eine Geschichte über Menschen, die nicht nur zuschauen wollen sondern sich für Menschen in Not einsetzen?

Ja und nein. In der Tat haben mich diesmal zunächst die Hamburger Gastfamilien fasziniert, die für gut acht Wochen ein schwer herzkrankes afghanisches Kind umsorgen. Ich wollte erkunden, weshalb die Mütter, Väter, Kinder diese ja sehr schwierige Aufgabe übernehmen möchten. Immerhin kommen Mädchen und Jungen zwischen fünf und zwölf Jahren nach Deutschland, um am Herzen operiert zu werden. Es sind Kinder, die zudem die deutsche Sprache nicht sprechen, die aus einem muslimischen Land kommen und die aus gesundheitlichen Gründen sehr zerbrechlich sind. Und natürlich haben mich die Ärzte interessiert, die Organisatoren der Herzbrücke. Wie funktioniert solch eine internationale Zusammenarbeit vor dem Hintergrund einer lebensgefährlichen Sicherheitssituation in Afghanistan? Und dann wollte ich schließlich wissen, was aus Kindern geworden ist, denen die Albertinen-Stiftung helfen konnte und die wieder in ihrer Heimat leben. Der RTL-Kirchenredakteur Dieter Czaja hatte mir einen Zeitungsartikel über afghanische Herz-Kinder in Hamburg gezeigt und mich sehr neugierig gemacht.

Erst während der Dreharbeiten und letztlich im Filmschnitt habe ich erkannt – die besten Antworten auf all meine Fragen geben mir die kleinen Patienten selbst. Der Film erzählt schließlich die Geschichte von Aisha und Husnia. Aisha - der Name bedeutet: die Lebendige, die Lebenslustige.

Sie erwähnten die „lebensgefährliche Sicherheitssituation“ in Afghanistan. Wie kann man im Kriegsgebiet einen Film drehen?

Allen Beteiligten, also  der Filmfirma EIKON Nord, der Kirchen-Redaktion von RTL, der EKD und der Albertinen-Stiftung in Hamburg war von Anbeginn klar, dass jeder Schritt vorher mit den afghanischen Helfern in Kabul genau abgesprochen werden muss. Und wir konnten auf die langjährige Erfahrung von Alberto Correia bauen, der die Herz-Kinder jedes Mal in Kabul abholt und wieder nach Kabul zurück bringt.  Diesmal hatte er den Kameramann Erik Hartung und mich dabei. Gemeinsam mit einem einheimischen Taxifahrer und Zia Taher, den Dolmetscher aus Hamburg haben wir schließlich zum Teil auf sehr abenteuerliche Weise die Familien der Kinder aufgesucht. Wir sind also sehr oft sehr „umständlich“ an unser jeweiliges Ziel, haben gefährliche Punkte umfahren, sind nie sehr lange in den Wohnungen gewesen und haben ein ziemlich ramponiertes Taxi benutzt, um es nett zu sagen. Nur nicht auffallen, was in einer Stadt, in der derzeit kaum Europäer zu sehen sind, schwer fällt. Aber die Gefahr einer Entführung ist sehr groß. Für Filmemacher ist solch eine Situation schwer zu ertragen, weil die Zeit fehlt, sich mit den Menschen in Ruhe zu unterhalten, Bilder mit der Kamera aufzunehmen. Im Indira-Gandhi-Kinderkrankenhaus war es noch komplizierter. Es gab eigentlich keine offizielle Erlaubnis, aber afghanische Ärzte wollten sehr wohl, dass wir über die Zusammenarbeit mit den Hamburger Kollegen berichten. Daher auch hier – nicht auffallen.

Trotz all dieser nicht einfachen Situation hatten wir das große Glück Gast zu sein in afghanischen Familien und das war wirklich schön. Die Gespräche waren sehr herzlich und sehr interessant. Nur der „Schneidersitz“ beim fantastischen Essen hat es mir nicht leicht gemacht.

Die Reportage erzählt die Geschichte von Aisha und Husnia. Welche Rolle spielen die Gastfamilien?

Die 6jährige Aisha wohnte bei Brigitte und Dirk Eichholz und die 11jährige Husnia bei Schahla und Said Zaher Rahimi. Aisha hat schnell die deutsche Sprache gelernt. Husnia konnte meist in Dari, also in ihrer Muttersprache kommunizieren, denn die Rahimis mussten vor über zehn Jahren aus Afghanistan nach Deutschland fliehen. Beide Gastmütter, also Brigitte und Schahla haben acht Wochen lang den Alltag der Mädchen mit einer kleinen Videokamera dokumentiert. Und – riesiges Kompliment! – das haben sie und ihre Kinder toll gemacht. Also die Gastfamilien spielen selbstverständlich eine sehr wichtige – die zweite Hauptrolle.

Gibt es eine dritte Hauptrolle?

Ja. Leiter der Herzbrücke-Mission ist Professor Christian Rieß. Wir haben auch an seinem Arbeitsplatz gefilmt. Und durch ihn sind mir alle Ängste vor einer so komplizierten Operation am offenen Herzen genommen worden. Wir haben als Drehteam wirklich gestaunt. Und so wie der Herzchirurg engagieren sich alle Mitarbeiter im Albertinen-Krankenhaus. Ich ziehe wirklich den Hut.

Im Film gibt es viele spannende, bewegende und überaus lustige Momentaufnahmen. Auch die Musikauswahl fällt auf.

„He Named Me Malala“ – das ist ein atemberaubender Dokumentarfilm über Malala Yousafzai. Als ich die Geschichte der Kinderrechtsaktivistin aus dem Swat-Tal in Pakistan gesehen habe und dann ihre Rede hörte, als ihr am 10. Oktober 2014 der Friedensnobelpreis zuerkannt worden ist - ich war ergriffen. Und dazu der Soundtrack von Thomas Newman. Herzbrücke erzählt im Übrigen wie Hamburger Gasteltern ihre kleinen Patienten auch nach deren Rückreise nach Afghanistan weiter unterstützen. Schulgeld soll zum Beispiel helfen, dass die afghanischen Kinder für ihre Zukunft lernen. Wir haben zwei ehemalige Herz-Kinder in Kabul besucht. Beide wollen Medizin studieren, um ihrem Land zu helfen.

Deswegen habe ich mich zu großen Teilen für diese Komposition aus dem Dokumentarfilm “He Named Me Malala“ entschieden – sie ist in diesem Sinne sozusagen auch für die Herzbrücke gemacht ...

  • RegieAndreas Kuno Richter
  • KameraErik Hartung, Natascha Kleeberg, Andreas Kuno Richter
  • SchnittFarbkorrektur Daniel Probst
  • SprecherJosefine Israel
  • TonClaas de Buhr, Frank Gautier, Sylvester Rohwer, Imme Schütz
  • MischungSven-Michael Bluhme
  • ProduktionsleitungSusanne Gerriets
  • ProduzentThorsten Neumann
  • RedaktionDieter Czaja, RTL
  • ÜbersetzerZia Taher

Literatur-Hinweise von Andreas Kuno Richter:

Bei der Recherche habe ich das Buch „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“ gelesen. Die Autorin Siba Shakib erzählt die Geschichte der Shirin-Gol. Vor diesem anrührenden, traurigen und hoffnungsvollen Lebensbericht steht ein Zitat von Albert Einstein. Es passt zur Herzbrücke-Mission der Hamburger Kinderretter: „Frieden kann nicht durch Gewalt erhalten werden. Er kann nur durch Verständnis erreicht werden.“

„Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“von Siba Shakib / Goldmann ( ISBN 3-442-45515-4)

weitere Buchempfehlungen:

„Die Festung der neun Türme“von Qais Akbar Omar / C.Bertelsmann (ISBN 978-3-570-10167-4)

 „Es war einmal oder nicht. Afghanische Kinder und ihre Welt“ von Roger Willemsen / S. Fischer (ISBN 978-3-10-092108-6)

 „Afghanische Reise“ von Roger Willemsen / S. Fischer (ISBN 978-3-10-092103-1

 „So weit die Knie tragen. Mein Fußmarsch durch Afghanistan“von Rory Stewart / PIPER (ISBN 978-3-492-25422-9)

Was uns antreibt

“Manchmal ist eine winzige Geschichte, die ich irgendwo „aufgelesen“ habe, der Anfang für einen neuen Film: „Ein Unwetter hat unzählige Seesterne an den Strand gespült. Ein kleiner Junge läuft dort entlang, nimmt behutsam Seestern für Seestern und wirft sie zurück ins Meer. Ein Mann der das beobachtet geht zu dem Jungen und sagt: „Du dummer Junge! Was du machst ist sinnlos. Der ganze Strand ist voll von Seesternen! Du kannst niemals alle retten! Was du tust, ändert nicht das Geringste!“ Der Junge überlegt kurz, geht zum nächsten Seestern, hebt ihn vom Boden auf, wirft ihn ins Meer und sagt: „Für ihn ändert es alles!“ (aus dem Internet, Autor unbekannt)“

Andreas Kuno Richter