Seite teilen

Justice

Blanke Wut

Justice
Trailer: Blanke Wut
Justice
Richterin und Moderatorin Julia Scherf vor Ort
Justice
Femenaktivistin Irina Khanova: "Wir haben nur uns, die Farbe und unsere Stimme"
Justice
Femenaktivistin Zana Ramadani: "Es ist ein friedlicher Protest"
Justice
Femen-Germany-Aktivistinnen beim Training
prev next
Justice

Serie

  • Erstausstrahlung:
  • Länge: 30 Minuten
  • Sender: RTL

Produktion

  • EIKON Nord GmbH
  • Produktionsjahr: 2013
  • Produzent: Thorsten Neumann

Kontakt

Sie sind Studentinnen, Angestellte oder Designerinnen und sie haben ihren Körper als Protestform gewählt. Mit ihren Oben-Ohne-Aktionen haben sie schon Putin und Merkel schockiert, Discounter-Sex auf der Reeperbahn angeprangert und in Tunesien für Frauenrechte protestiert.  Die Aktionen sind gut geplant. Es gibt regelmäßige Trainings, bei denen die 20 deutschen Aktivistinnen ihre Auftritte und Sprüche üben. „Mit dieser Form des Protestes können wir mit einfachsten Mitteln wirklich die Leute erreichen“, sagt die 29-jährige Zana. “Ich hab in meinem Leben schon verdammt viele Briefe geschrieben, ich hab verdammt viele Veranstaltungen besucht, ich hab verdammt Flyer verteilt und es bringt einfach nicht viel.“

Bei ihrem schrillen, lauten, aber immer friedlichen Protest gehen sie persönliche Risiken ein, bis hin zum gewaltsamen Einschreiten von Sicherheitskräften. Oft verstoßen sie gegen Auflagen, in Deutschland zum Beispiel, weil sie ihre Proteste nicht anmelden. Nach jeder ihrer schrillen Aktionen haben sie bisher Vorladungen bekommen. Hierzulande können sie sich aber auf ihr Recht auf Meinungsfreiheit verlassen. Im Ausland dagegen haben die Aktivistinnen auch schon im Gefängnis gesessen, wie die Hamburgerin Josephine Witt, deren Fall bundesweit Schlagzeilen machte.

Die Reportage begleitet Zana, Irina und Klara von Femen Deutschland auf ihren Protesten. In "Justice" sprechen die Frauen über ihre Motivationen und ihre Ziele.

Aufmerksam wurde Justice auf die Aktivitäten von „Femen“ durch die intensive und internationale Berichterstattung in den Medien. Seit etwa einem Jahr ist dabei auch die deutsche Gruppe von „Femen“ durch ihre Aktionen ins öffentliche Blickfeld gerückt.

Doch was weiß man wirklich über diese Frauen?

Manche Protestaktionen werden als Demonstration angemeldet. Andere werden einfach spontan umgesetzt. Da die Frauen von Femen einem gewaltfreien Grundsatz folgen, scheinen sie sich mit ihren Handlungen in einem legalen Rahmen zu bewegen. Doch bleibt es juristisch betrachtet dabei? Eine der Aktivistinnen saß bereits in Haft, eine andere verlor ihre Arbeitstelle, dreien von ihnen steht womöglich ein Prozess wegen Beleidigung eines Staatsoberhauptes bevor. Und trotzdem machen sie weiter. 

Wir haben uns gefragt: Wie kommen 20-35jährige Frauen in Deutschland dazu, auf eine derart spektakuläre und für ihr eigenes Wohl nicht ungefährliche Weise zu protestieren? Was war der Auslöser für diese Art des Protests? Nach welchen Kriterien entscheiden die Aktivistinnen sich zum Protest? Und wie gehen sie mit möglichen juristischen oder beruflichen Konsequenzen um?

Mit Justice war uns ein klares Gerüst für eine Reportage über „Femen Germany“ vorgegeben. Angesichts der Polarisierung in den Medien und der feministisch-ideologischen Diskussion, die „Femen“ mit ihren barbusigen radikalen Protesten auslösen, war dies ein hilfreicher Leitfaden, denn so konnten wir uns auf das für unsere Reportage-Reihe Wesentliche konzentrieren:

Die Erklärung des gesetzlichen Rahmens wie der Grundrechte auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationsfreiheit und ihrer Grenzen. 

Bei einem ersten Treffen Mitte Juni in einem Hamburger Lokal, bei der fast alle 20 deutschen Femen-Frauen anwesend waren, wurde die Zielsetzung unserer Reportage auch zwischen Autorin und Aktivistinnen heiß diskutiert. Skepsis stand im Raum, denn die Presse war in den vergangenen Monaten nicht zimperlich mit Femen umgegangen, vieles wurde in den Augen der Frauen falsch zitiert oder vorschnell verurteilt. 

Nach dem ersten Treffen folgten zwei weitere, um das nötige Vertrauen für eine gemeinsame Filmarbeit herzustellen. Der klar definierte juristische Rahmen von „Justice“ und die Sendelänge von knapp einer halben Stunde stieß bei den Aktivistinnen auf Zustimmung, denn bislang waren über sie nur kürzere Magazinbeiträge im Fernsehen – gern unter reißerischen Gesichtspunkten - ausgestrahlt worden.

Bei den Dreharbeiten war bis zur letzten Sekunde nicht klar, bei welchem Protest wir mit der Kamera dabei sein durften, denn in der basisdemokratischen Gruppe wird vieles spontan entschieden. Als sich abzeichnete, dass es eine Gegenaktion zu einer angemeldeten Demonstration zum Schutze des ungeborenen Lebens werden würde, mussten Kamerateam und Autorin sich ebenfalls entsprechend darauf vorbereiten: Mit einer zweiten Handkamera für die Autorin und einem Helfer, der dem Team bei einer möglichen Konfrontation zwischen Demonstranten und den Femen-Frauen zusätzlich den Rücken frei halten konnte.

Es waren spannende Dreharbeiten – mit friedlichem Ausgang. 

In der Reportage urteilen wir bewusst nicht über die Ziele und Protestformen der Aktivistinnen. Wir porträtieren ihre Arbeit und loten die gesetzlichen Rahmenbedingungen aus. Dabei konnten wir dank des Vertrauens, das uns entgegen gebracht wurde, etwas über die Frauen erfahren, die hinter „Femen Germany“ stehen  - und wie sie mit den Konsequenzen ihrer Taten umgehen.

  • ModerationJulia Scherf
  • AutorRiccarda Voss
  • KameraCornelia Goos
  • KameraErik Hartung
  • SchnittDaniel Probst
  • Musik/KompositionChristoph M. Kaiser
  • AnimationTina Obladen
  • ProduktionsleitungSusanne Gerriets
  • ProduzentThorsten Neumann
  • PressebetreuungAnna Reinecke, Katja Kersting

Femen und das Grundgesetz, im speziellen Artikel 5 und 8:

Artikel 5 des Grundgesetzes besagt:

1. Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

2. Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

3. Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

In Artikel 8 des Grundgesetzes heißt es:

1. Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

2. Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Die Einschränkungen sind unter anderem: Versammlungen unter freiem Himmel müssen bei der Polizei angemeldet werden und die Demonstrationsteilnehmer dürfen sich nicht uniformieren oder vermummen. Gegen ein eventuelles polizeiliches Verbot einer Demonstration können Rechtsmittel eingelegt werden.

Etwas anderes gilt für Versammlungen, die sich aus aktuellem Anlass spontan bilden. Auch sie sind nach Artikel 8 des Grundgesetzes geschützt. Daher entfällt bei derartigen Versammlungen die Anmeldepflicht.

Versammlungen in geschlossenen Räumen unterliegen, siehe oben, dagegen  keiner Anmeldepflicht. Das liegt daran, dass Versammlungen unter freiem Himmel, oder auch Demonstrationen, wegen der Unbegrenztheit der Teilnehmerzahl für die öffentliche Sicherheit und Ordnung eine größere Gefahr darstellen können als Versammlungen in geschlossenen Räumen.