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Punk im Dschungel

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Dokumentation

  • Erstausstrahlung:
  • Länge: 90 Minuten
  • Regie: Andreas Geiger

Produktion

  • EIKON Südwest GmbH
  • Produktionsjahr: 2007
  • Produzent: Christian Drewing

Kontakt

Eine Produktion der EIKON Südwest in Koproduktion mit ZDF "Kleines Fernsehspiel", gefördert von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg.

Wenn die Musiker das Punkkonzert unterbrechen, weil der Imam zum Abendgebet ruft und tausende von Konzertbesuchern das ganz normal finden, dann befinden wir uns in der wahren Hochburg des Punks, in Indonesien. Inmitten politischer Wirren, religiöser Grabenkämpfe und ökologischer Katastrophen sucht sich dort die schwäbische Punkband „Cluster Bomb Unit“ ihren Weg auf ihrer Tour durch ganz Südostasien. Während zu Hause Nietengürtel und Irokesenschnitt nur noch modische Accesoires sind, ist Punk in Indonesien und Malaysia eine echte Widerstandsbewegung. Tausende Fans zeigen den schon etwas in die Jahre gekommenen schwäbischen Urgesteinen wie man mit Punk tatsächliche gesellschafts- und umweltpolitische Veränderungen bewegen kann – wenn eben nicht gerade der Imam ruft.

Julia Finkbeiner, Oliver Barth, Werner Nötzel und Moritz Finkbeiner gehören zum festen Inventar von „Cluster Bomb Unit“. Die vor 20 Jahren gegründete Band zählt mittlerweile zur Altherrenliga der deutschen Punkmusik. So wie Punk in der deutschen Alltagsgegenwart untergegangen ist, so haben sich die Musiker auch allmählich niedergelassen. Ob als Krankenschwester, Strickwarenfabrikant, Tonstudiobetreiber oder Chansonier – man hat sein Auskommen und mancher sogar sein Häusle. Ihr normales Leben ändert sich einmal im Jahr für vier Wochen, wenn die Band auf Tour geht. Spielt „Cluster Bomb Unit“ (CBU) in Deutschland normalerweise gerade mal vor hundert Leuten, die zur Musik gelassen ihr Bier trinken und danach unbekümmert heimgehen, so werden sie auf ihrer Tournee durch Südostasien von tausenden Fans fast auf der Bühne überrannt.

Der indonesische Punkaktivist Ari bezeichnet Jakarta als Hauptstadt des Punks. Er organisiert zusammen mit seiner Freundin Ika Konzerte. Ausserdem unterhalten die beiden ein ziemlich lebendiges Netzwerk und betreuen die schwäbische Band auf ihrer Tour. Punk wird in Indonesien anders gelebt als bei uns und es gilt das Motto: „DIY – Do it yourself“. Jeder hilft jedem – Punk ist eine Community und nicht selten kommen 5000-8000 Leute zu einem Konzert. Eine Eintrittskarte kostet um die 20 Cent und wenn die Unkosten gedeckt sind, werden die noch wartenden Fans umsonst reingelassen. Muslim und Punk gleichzeitig zu sein ist dort kein Problem. Im Grunde steckt in jedem Mensch etwas Gutes -  das versichert uns zumindest ein alter Mann in der Koranschule. Was spielt da schon das Äußere für eine Rolle?

Doch so liberal wurde das in Indonesien nicht immer gesehen: Polizei und Militär knüppelten noch vor wenigen Jahren Studentenunruhen nieder, mafiaähnlich organisierte Banden fühlten sich in Ihren Revieren gestört und korrupte Politiker ließen die Aufwiegler verfolgen. Dem Zuspruch der Punkbewegung konnten sie allerdings nichts anhaben. In ihren Vierteln organisieren die Punks Englischunterricht für Jugendliche , helfen Strassenkindern, engagieren sich im Umweltschutz und schreiben oppositionelle Lieder, die im Wahlkampf auch mal zur Hymne werden können. Väter schreiben Texte für die Punksongs ihrer Söhne und Mütter tolerieren die Löcher in den Hosen, die sie viel lieber stopfen würden. Punk ist inzwischen eine Gesellschaftsbewegung quer durch alle sozialen Schichten geworden.

Die Band von Pentul steht in Indonesien für den politischen Punk. Er ist Mitglied des Punk-Kolletivs ANTI MUSIC, ein Treffpunkt in dem T-Shirts, Musikkassetten und Bücher zu bekommen sind und in dem gewohnt, diskutiert und musiziert wird. Pentul selbst hat am eigenen Leib erfahren müssen, wie gefährlich es ist, ein Punk zu sein. In einem Flussbett versteckt entkam er knapp der Polizei, die ihm nachstellte. Er ist der Sänger einer der bekanntesten Bands im Lande, die nur wenige Konzerte im Jahr gibt und wenn, dann auch noch geschminkt und verkleidet, um dem Rockstar-Kult entgegen zu treten. Er sagt uns: „Wenn man in einem so korrupten und repressiven Land lebt, muß man kämpfen. Jeden Tag. Gegen den Staat und die Gesellschaft, manchmal auch gegen die Religion, oder sogar gegen die eigene Familie.“ Pentul träumt davon, dass die Punks einmal einen Sitz im Parlament haben werden. Die Anhängerschaft ist groß und sein Traum scheint in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Die Mitglieder von CBU bekommen auf ihrer Tour Einblick in ein Land und in eine Kultur, die uns einen ganz anderen Punk vorlebt. In Indonesien gilt nicht „No Future“ sondern „DIY or die!“ – „Mach was oder stirb!“ Man kann es auch anders sagen: „Punk lebt!“

Der Filmemacher Andreas Geiger hat die Band auf ihrer Reise durch Indonesien begleitet und seine hautnahen Eindrücke und Begegnungen filmisch eingesammelt. Seine Reise führte ihn nach Jakarta, Yogjakarta, Balikpapan, Samarinda, Malang und Bali. Nach „Heavy Metal auf dem Lande“ ist der nun entstandene 90-minütige Kino-Dokumentarfilm „Punk im Dschungel“ sein nächster Streich, der uns in seiner gewohnt humorigen und liebevollen Manier einen Kosmos nahe bringt, der zwar auch von der Musik lebt, aber noch viel mehr von den sehr persönlichen Einblicken in das Leben der Protagonisten. Man darf also gespannt sein.

  • RegieAndreas Geiger
  • AutorAndreas Geiger
  • KameraBernadette Paasen, Henna Peschel
  • SchnittJürgen Winkelblech, Andreas Geiger
  • TonPatrick Veigel
  • ProduktionsleitungMette Gunnar
  • ProduzentChristian Drewing
  • RedaktionClaudia Tronnier (ZDF)
  • Darsteller„Cluster Bomb Unit“, u.a.