Serie/Reihe

Justice Weltraumreisen - Wer darf ins All?

Synopsis

In Magdeburg wird vor dem Zivilgericht ein Abstecher ins All verhandelt. Das Objekt der Begierde ist der Hauptpreis einer Werbeaktion. Ein Flug in den Weltraum mit dreifacher Schallgeschwindigkeit. Um diesen intergalaktischen Moment streiten sich die Chefin einer Kfz-Werkstatt und ein Auto-Schrotthändler. Letzterer hat tatsächlich in einem Fast-Food-Lokal das große Los von seinem Cola-Becher abgezogen. Der glückliche Coupon-Gewinner selbst will aber nicht ins All düsen, sondern Geld. Möglichst viel Geld. Die ihm bekannte Werkstattchefin kommt da gerade recht.  Sie bietet dem Glückspilz ihren schicken Mercedes ML an. Ein mündlicher Deal folgt. Ein Tausch mit Haken und Ösen. Die Sache landet letztlich vor Gericht. Der Schrotthändler klagt – von Erpressung und Lügerei ist plötzlich die Rede.

Auch im zweiten Fall dieser Justice-Folge geht es um einen geplanten Weltraumflug mit juristischen Folgen. Ein Fluglehrer aus dem Rheinland will in zehn Jahren zum Mars fliegen – ohne Rückfahrkarte. Er ist ein Bewerber der „Mars One“-Mission, einer privaten Stiftung unter niederländischem Recht, deren Ziel es ist, den Mars mit Menschen zu besiedeln. Aber wie wird das Leben eines Menschen juristisch abgewickelt, der auf Nimmerwiedersehen Richtung Mars verschwindet? Was wird z. B. aus seiner Lebensversicherung? Wird er irgendwann für „irdisch tot“ erklärt? Und welches Recht gilt überhaupt auf dem Roten Planeten? Justice spürt einem Rechtsgebiet nach, von dessen Existenz die wenigsten Menschen wissen: dem Weltraumrecht. Ja, das gibt es wirklich. Es wird in naher Zukunft auch Weltraum-Tourismus-Unternehmungen aller Art regeln müssen.

Format: Serie/Reihe
Ausstrahlung: 04.05.2015
Länge: 30 Minuten
Sender: RTL
Produktion: EIKON Hamburg
Produktionsjahr: 2015
Produzent: Thorsten Neumann

Stab & Darsteller
Moderation
Julia Scherf
Autor*in
Andreas Kuno Richter
Kamera
Erik Hartung
Schnitt
Christian Büttner
Musik/Komposition
Christoph M. Kaiser
Animation
Tina Obladen
Produktionsleitung
Susanne Gerriets
Produzent*in
Thorsten Neumann
Redaktion
Stefan Suchalla
Kontakt

Thorsten Neumann
Springeltwiete 5
20095 Hamburg
Tel. 040/3006187-0
mail@eikon-nord.de

Drehbericht

Verhandlung um Nichts

oder

Außerirdisches aus dem Off

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen in einem Fastfood-Restaurant, trinken entspannt eine Cola und entdecken plötzlich einen unscheinbaren Gewinn-Coupon am Becher. Sie ziehen eher gelangweilt den briefmarkengroßen Zettel ab und lesen: „SOFORTGEWINN! 1 Weltraumflug.“ Dem ahnungslosen Mann, dem das vor zwei Jahren tatsächlich passiert ist, ging zunächst gar nichts durch den Kopf. Er steckte das Papier ein, legte es erst mal zu anderen ähnlichen Gewinnen in eine Schublade: eine Gratis Cola, ein Extra-Menü umsonst. Tage später erst liest er, was da steht. Weil er von den Medien keine gute Meinung hat, erzählt mir der sympathische Schrottautohändler im Off, dass er Flugangst hätte und gesundheitlich auch nicht fit genug wäre. Außerdem wollte er damals vor allem Geld, schnelles Geld. Weil keiner ihm überhaupt etwas zahlen wollte und ihm schließlich von einer KfZ-Meisterin „nur“ ein gebrauchter Mercedes angeboten worden ist, nahm er erst mal den. Was dann folgte erzählt die „Justice“-Folge mit dem Titel „Weltraumreisen“.

Es ist ja bei jedem Reportage-Dreh so, dass die meisten Situationen im Off, also nicht vor laufender Kamera passieren. Vor allem die Gerichtsverhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich habe diesmal viele Stunden im Landgericht Magdeburg verbracht. Mein Kugelschreiber glühte zuweilen, weil Richter und Anwaltschaft des Klägers reichlich Stoff für spannende Geschichten lieferten, aber alles eben nur im Off. Und ich begann, den Richter im Zivilverfahren zu bewundern. Ja, ich ziehe meinen Hut! Erstens hat er ganz allein die Sitzungen bestritten. Jede Zeugenaussage hat er (fast) wörtlich wiederholt, um sie in sein Diktiergerät zu sprechen. Das verdoppelte die Veranstaltung jedes Mal. In meinen Interviews vor laufender Kamera fragte ich sowohl die Beklagte als auch den Kläger (der für sein getauschtes Weltraumreise-Los viel mehr bares Geld wollte), wie sie diesen Richter sehen würden. Der Kläger verglich ihn wörtlich mit einem „Engel, der nur Gutes tut“. Das allerdings nur bis zum Urteilsspruch. Die Beklagte sagte nach der Abweisung der Klage und damit nach ihrem Freispruch von jeder Schuld, dass sie nun wieder an Gerechtigkeit hierzulande glauben würde.

In diesem kleinen Bericht von Geschichten aus dem Off gehört auch folgende eher heiter gemeinte Äußerung des Richters am letzten Verhandlungstag, als keine anderen Medien im Saale saßen: „Es geht hier übrigens um eine Weltraumrakete, die noch gar nicht gebaut worden ist. Also verhandeln wir gerade um Nichts. Solche Verfahren scheinen immer bei mir zu landen …“. Wie gesagt, ich lobe in diesem „Drehprotokoll“ den Richter aus Magdeburg, weil er sich ernsthaft (und tapfer) bemüht hat alle Seiten ausführlich zu hören, auch wenn der Gegenstand der Verhandlung in der Tat mehr als skurril gewesen ist.

Weltraumreisen – wer darf ins All? Auch wenn es im zweiten Fall dieser Reportagefolge noch abgehobener zugeht, um die Marsbesiedlung nämlich – Julia Scherf nimmt sich Zeit zu erläutern, dass das Weltall kein rechtsfreier Raum ist. Allerdings gibt es dort in Zukunft noch viel schwarze juristische Löcher zu stopfen…

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