Dokumentarfilm

Dinge, die man tun kann, wenn man tot ist

Synopsis

Eine Koproduktion der EIKON Südwest mit WDR, ARTE und Lichtpunt, gefördert von der MFG Baden Württemberg.

Wer glaubt, nach dem Ableben sei Schluss, kann mit der Filmemacherin Tanja Hamilton auf eine sehr außergewöhnliche Reise jenseits des Lebens gehen. Nach dem Tod nur in einem Grab zu verrotten? Dabei wollen es viele nicht bewenden lassen: In Deutschland, USA und Frankreich lässt sich weit mehr mit seinem Körper anstellen, als man gemeinhin denkt. Natürlich muss man erst mal bereit sein, den eigenen Körper herzugeben. Eine nicht ganz einfache Entscheidung. Und ob man den Menschen, denen Tanja Hamilton begegnet ist, auch als Leichnam unter die Finger kommen will? Der Zuschauer der Dokumentation kann sich darüber selbst ein Bild verschaffen.

Das Anatomische Institut der Kieler Universität beherbergt eine der weltweit schönsten anatomischen Sammlungen. Hier kann ein Spender gleichzeitig seinem Wunsch der Wissenschaft zu dienen nachkommen, wie auch eine eventuell zu Lebzeiten vorhandene exhibitionistische Neigung befriedigt werden. Oberpräparator Günther-Rolf Klaws ist der Pop Art-Künstler unter den Angehörigen seiner Zunft. Seine Kreationen sind ungewöhnlich farbenfroh und höchst ästhetisch. Für die Ausstellung nimmt er nur die schönsten Organe der Körperspender. Wer Pech hat und kein besonders attraktives Inneres vorzuweisen hat, wird nur für Lehrzwecke präpariert. Besonders gelungenen Exemplaren winkt dagegen die Reise zum alljährlichen Kongress bundesdeutscher Präparatoren.

In der Universitätsklinik Maryland, Baltimore geht es schon weit handfester zu. Chirurgen üben in Seminargruppen oder einfach auch mal in der Freizeit an frischen Leichen ihre Fingerfertigkeit. Der besondere Dienst, den man den Übenden als Leiche tut: Man blutet nicht. Ronald Wade, der Leiter des Anatomischen Institutes, erklärt, es sei ja schließlich besser an Leichen Operationstechniken zu verbessern, als dies durch Assistenzen und Zuschauen während „normaler“ Operationen zu tun. Und so mancher Chirurg hätte gerne eine Leiche zu Hause.Am Anthropologischen Forschungsinstitut der University of Tennessee sind die Untersuchungsmethoden an Leichen weitaus weniger invasiv. Hier wird ihr Körper im Grunde sich selbst und den Kräften der Verwesung überlassen – alles unter wissenschaftlicher Beobachtung selbstverständlich. Die meisten Untersuchungsobjekte liegen einfach hinter dem Zentrum auf der Wiese; manche bekleidet, andere nackt. Ein paar Auserwählte erfahren eine Sonderbehandlung: Sie werden begraben, in Plastikfolie eingewickelt oder in einem Kofferraum verstaut. Alle gängigen Methoden der kriminellen Leichenbeseitigung wurden hier schon an den Testobjekten angewandt. Rachel Parkinson ist darauf spezialisiert anhand von Verwesungsbakterien Todeszeitpunkte zu bestimmen. Ihre Meinung: „Seid froh, dass man verwest – stellt Euch vor, alle Toten würden einfach weiter so rumliegen!“, sagt sie.

In der Universität Marseille am Institut für angewandte Biomechanik führt Christian Brunet die Regie. Europaweit können etwa 8.500 Menschenleben jedes Jahr durch die Ergebnisse biomechanischer Untersuchungen an Leichen gerettet werden. Ihnen ist die Sitzgurtpflicht zu verdanken und sie sind der Grund, weshalb es heute möglich ist, mit 90 Kilometern pro Stunde gegen eine Mauer zu fahren und trotzdem zu überleben. Fatal ist es allerdings, als Fußgänger von einem Jeep überfahren zu werden. Das zeigt auch der Versuch: Nicht einmal eine Leiche hätte bei diesem Unfallhergang eine Überlebenschance.

Besonderen Dank an
Anatomisches Institut, Universität Kiel, Prof. Dr. Dr. Michael Schünke,
Anatomical Services Division, University of Maryland, Ronald Wade
Laboratoire de Biomécanique Appliquée, Marseille, Thierry Serre, Catherine Masson, Dörthe Eickelberg, Andy Kaiser, Claudia Rauch, Marion and Vanessa Hamilton und alle Protagonisten, tot oder lebendig

Format: Dokumentarfilm
Erstausstrahlung: 10.11.2009
Länge: 52 Minuten
Sender:
Produktion: EIKON Stuttgart
Produktionsjahr: 2008
Produzent: Christian Drewing

Stab & Darsteller
Regie
Tanja Hamilton
Autor
Tanja Hamilton
Kamera
Kumaran Herold
Ton
Oliver Stahn
Schnitt
Nikola Gehrke
Musik/Komposition
Jens Grötzschel
Produktionsleitung
Mette Gunnar
Produzent*in
Christian Drewing
Redaktion
Olaf Grunert (ARTE), Claudia Bucher (ARTE), Christiane Hinz (WDR)
Kontakt

Christian Drewing
EIKON Media GmbH
Niederlassung Stuttgart
Talstrasse 41
70188 Stuttgart
Tel. 0711-2483455
drewing@eikon-film.de

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