Matthias Koeberlin spielt den Theologen Dietrich Bonhoeffer
Verhaftung von Laurentius Siemer (Nikolaus Kühn)
Sonja Beisswenger als Aenne Vogelsberg
Dokumentarfilm

Mit Gott gegen Hitler Bonhoeffer und der christliche Widerstand

Synopsis

Der Schauspieler Matthias Koeberlin spielt den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der zum Widerstand gegen Hitler gehörte und noch kurz vor Kriegsende hingerichtet wurde. Der Film (Buch und Regie: Ingo Helm) erzählt die Geschichte von Menschen, die aus ihrer christlichen Überzeugung heraus Mut gegenüber Hitler bewiesen haben.

Bonhoeffer wird bis heute für seine aufrechte Haltung verehrt, seine Schriften und Briefe erreichen hohe Auflagen. Aber auch der Dominikaner Laurentius Siemer, gespielt von Nikolaus Kühn, wird in dem Film gewürdigt, ein zu Unrecht vergessener Mann des Widerstands. Äußerste Zuspitzung der inneren Konflikte dieser Menschen ist die Kernfrage, ob sich ein Attentat mit christlicher Ethik vereinbaren lässt: „Soll ich schießen?“

Innerhalb dieses großen Erzählbogens geht es um den Kreuzkampf in Südoldenburg und die Enzyklika „Mit brennender Sorge“. Aber ebenso um die Bekennende Kirche, die sich nicht dem Staat unterordnen wollte. Auch unbekannter Helden und Heldinnen wird gedacht: Etwa der Sekretärin Aenne Vogelsberg, die unter Lebensgefahr eine hochverräterische Denkschrift abtippt.

Format: Dokumentarfilm
Erstausstrahlung: 04.05.2020
Länge: 45 Minuten
Sender: ARD
Produktion: EIKON Hamburg
Produktionsjahr: 2020
Produzent: Thorsten Neumann

Stab & Darsteller
Regie
Ingo Helm
Autor
Ingo Helm
Kamera
Thomas Bresinsky
Ton
Dirk Diedrich
Szenenbild
Kay Kulke
Kostümbild
Stefanie Jaus
Maskenbild
Yvonne Neumann
Schnitt
Fabian Teichmann
Musik/Komposition
George Kochbeck
Animation
Pino B. Rérat
Produktionsleitung
Andrea Giesel
Herstellungsleitung
Jan Bullerdieck
Produzent*in
Thorsten Neumann
Redaktion
Anja Würzberg und Marc Brasse
Darsteller*innen
Dietrich Bonhoeffer: Matthias Koeberlin, Laurentius Siemer: Nikolaus Kühn, Werner von Haeften: Philippe Goos, Aenne Vogelsberg: Sonja Beißwenger, Wolf-Dieter Zimmermann: Jacob Benkhofer u.v.m.
Kontakt

Thorsten Neumann
Springeltwiete 5
20095 Hamburg
Tel. 040/3006187-0
mail@eikon-nord.de

Drehbericht

Einen solchen Film zu machen, ist wie ein Mosaik. Die Realität, um die es geht, gibt es ja nicht mehr, wir können sie nicht einfach abbilden. Wir müssen sie neu entstehen lassen. Aber wo finde ich die Mosaiksteine, die ich brauche, damit am Ende das Gesamtbild stimmt? Bebildere ich nur eine vorgefertigte Meinung, oder finde ich Splitter, die das Ganze schon in sich tragen? Wie kann ich ein authentisches Bild entstehen lassen?

Lange, bevor der Dreh beginnen konnte, führte unsere Suche durch Bibliotheken und Archive: Erhalten gebliebene Dokumente, Fotos, Filmaufnahmen, Fernsehproduktionen früherer Jahrzehnte und andere Mosaiksteine wurden gesiebt. Im günstigsten Fall findet man dabei mehr, als man sucht. Zum Beipiel die Episode von dem Dithmarscher Pfarrer, der einen Brief schreibt, in dem sinngemäß steht: „Sehr geehrter Herr Hitler, die Schweinerein Ihrer Anhänger sind durch nichts zu rechtfertigen.“

Ebenso ergiebig waren die Dreharbeiten. Einzelne Interviews hervorzuheben, wäre ungerecht gegenüber allen anderen. Aber charakteristisch ist, wie man Orte mit anderen Augen sieht, wenn man die Geschichten kennt, die sich dort zugetragen haben. Der Bendlerblock in Berlin etwa, heute Sitz des Bundesverteidigungsministeriums. Wir haben für unseren Film Flugaufnahmen davon gemacht, um von der Widerstandsgruppe zu erzählen, die sich bis 1944 hier verborgen hat. Man sieht: unsere heutige Realität ist nur die Spitze eines Eisbergs, und das gilt nicht nur für das Gebäude. Wo endet Loyalität, wo muss Widerstand beginnen, im Kleinen und im Großen? Wenn wir die Vorgeschichte dieser Frage kennen, müssen wir nicht bei Null anfangen. Auch darum geht es bei unserem Film.

Die Tatsache, dass der Widerstand unserer Protagonisten aus ihrem Glauben motiviert war, hat viel mit diesem Stichwort Loyalität zu tun. Man kann es leicht in die Sprache unserer säkularen Welt übersetzen. Es heißt einfach: Keine irdische Autorität, keine Instanz – Volk, Nation, Familie, Partei oder was auch immer – kann die letzte, höchste Loyalität eines Menschen beanspruchen.

Ganz besondere Mosaiksteine sind die Spielszenen des Films, auch wenn Puristen so etwas für den dokumentarischen Bereich mit Skepsis betrachten. Doch die inszenierten Teile sind eine der Möglichkeiten, die Realität von damals neu entstehen zu lassen, in verdichteter Form, möglichst authentisch und zugleich für uns heute verständlich. Diese Aufgabe mit einem ebenso qualifizierten wie motivierten Team von etwa 30 Mitwirkenden schöpferisch zu lösen, war eine bereichernde Erfahrung, auch geprägt von dem Drehort, Kloster Bursfelde. Da war der richtige Spirit am Werk. Die Darsteller der beiden Protagonisten (Matthias Koeberlin und Nikolaus Kühn) haben Entscheidendes beigetragen, ebenso wie alle anderen: eine Haltung zu verkörpern, statt sie nur zu spielen.

Ingo Helm

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“Journalisten und Historiker haben eines gemeinsam: Sie sind immer auf der Suche. Nach dem Typischen, das aber auch überraschend sein soll, nach dem Sensationellen, das zugleich repräsentativ für etwas stehen soll. Es ist eine paradoxe Arbeit, aber sie führt uns in günstigen Momenten näher an die Wahrheit, die unser Grundnahrungsmittel ist.“

Ingo Helm
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