Reportage/Dokumentation

Versöhnung Das Schwarze Kreuz

Synopsis

Eine Produktion der EIKON Nord im Auftrag von RTL, in Zusammenarbeit mit den Kirchen

„Warum gehst du da hin? Hast du keine Angst?“. Hannelore Schön besucht immer wieder den Knast. Freiwillig. Die Rentnerin begleitet ehrenamtlich Inhaftierte, darunter auch eine ehemalige Gefangene mit dem Urteil „lebenslang“. Adrian Gansfort sucht für einen mehrfach bestraften Bankräuber und Drogenkurier dringend eine Wohnung und eine neue nicht kriminelle Gemeinschaft – für die Zeit nach der Haft.

Beide Helfer unterstützen das „Schwarze Kreuz“. Diese christliche Gefangenenhilfsorganisation steht seit fast hundert Jahren für Versöhnung.

Was motiviert Menschen, sich für Gefangene und Haftentlassene, darunter Mörder und Schwerverbrecher einzusetzen? Hannelore Schön sagt: Ich tue den Leuten Gutes und das macht mich glücklich. Und wenn man glücklich ist, ist man frei.“

Die Reportage erzählt von engagierten Christen, die in der Freizeit Brücken „von drinnen nach draußen“ bauen. Jeder Mensch habe ein Recht auf eine zweite Chance. „Wir möchten zugleich neue Straftaten verhindern.“, ergänzt Adrian Gansfort.

Format: Reportage/Dokumentation
Erstausstrahlung: 07.12.2021
Länge: 30 Minuten
Sender: RTL
Produktion: EIKON Nord Hamburg
Produktionsjahr: 2021
Produzent: Thorsten Neumann

Kontakt

Thorsten Neumann
Springeltwiete 5
20095 Hamburg
Tel. 040/3006187-0
mail@eikon-nord.de

Drehbericht

„Das kam wie aus heiterem Himmel! Plötzlich stand ich unerwartet in Freiheit!“ So was hat der alte Bankräuber und Drogenkurier noch nie erlebt. Er saß sein halbes Leben lang immer wieder im Gefängnis. Und jetzt „Haftunterbrechung“ wegen Corona. „Das ist doch nicht normal!“. Was ist schon normal in Zeiten einer Pandemie? Wir filmen den Mann für eine Fernsehreportage über christliches Ehrenamt. Corona bedeutet auch für ein Drehteam: Abstand halten! Da bleibt es ungewohnt schwer, sich näher zu kommen. Horst Hesse hat vor einigen Jahren seine Frau verloren. Seine Wohnung musste er auflösen. Niemand wartet jetzt draußen auf den 78jährigen. Seine Banküberfälle und die anderen Verbrechen könne er nicht mehr rückgängig machen. „Ich will nun meinen Frieden haben und ich will Versöhnung finden“, sagt Horst, wenn er über Strafe und Schuld vor der Kamera redet. Wie viele in seiner Situation erfährt er zufällig vom christlichen Ehrenamt. Bereits erste Gespräche mit Adrian Gansfort, dem Straffälligenhelfer, sind sehr persönlich. „Ich bin nicht mehr kirchlich!“, erklärt ihm Horst gleich am Anfang. Die letzten Monate sitzt er im Offenen Vollzug ab. Er wird nach der Entlassung eine neue Bleibe bekommen. Die Unterkunft vermittelt ihm das „Schwarze Kreuz“.  Und er soll vor allem eine Gemeinschaft kennenlernen, in der er willkommen ist. Geborgenheit und Nächstenliebe. Das bieten freiwillige christliche Helfer landesweit – seit knapp einhundert Jahren schon. Und stets haben sie dabei einen konkreten Plan. Einen verdammt guten. Engagierte Hauptamtliche koordinieren in der christlichen Straffälligenhilfe in Celle Jahr für Jahr neue Aktionen und wenn eine Pandemie ihre gelebte Nächstenliebe etwas „ausbremst“ geben sie nicht auf.

Der Film vom „Schwarzen Kreuz“ erzählt von Ehrenamtlichen und von Straffälligen – von Hannelore und Ingrid, Thomas und Jürgen, Heiner und Peter und von Adrian und Horst.

Andreas Kuno Richter

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(M) Irmtraut Meifert von der christlichen Strafgefangenenhilfe

(R) Andreas Kuno Richter Regisseur EIKON Nord Hamburg

 

(M) Was hat Sie am „Thema“ im Vorfeld fasziniert?

(R) Seit gut zehn Jahren gestalte ich gemeinsam mit der Hamburger EIKON-Nord Film- und Fernsehproduktion Reportagen über Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Es sind Geschichten über gelebte Nächstenliebe. Als ich eher zufällig vom „Schwarzen Kreuz“ gehört habe, wollte ich die Leute treffen die freiwillig in der Freizeit in den Knast gehen oder Briefe ins Gefängnis schreiben. Wie und vor allem warum tun sie das?

(M) Was haben Sie dann vorgefunden?

(R) Ich war zu Gast in einigen Arbeitskreisen, bei denen ich willkommen war. Natürlich gab es stets auch viele Fragen an mich: warum ich solche Filme mache zum Beispiel? Mich interessieren Menschen, die anderen Gutes tun, einfach so. In Freiburg, in Osnabrück, in Bielefeld oder in Berlin – ich lernte durch die Straffälligenhelfer und Helferinnen immer auch Gefangene oder Entlassene kennen. Nicht alle hatten kirchlichen Hintergrund – aber alle waren sie des Lobes voll: es sind die „Brücken nach draußen“, das herzliche Verständnis, die Gespräche und die Lebenshilfen aller Art – einige wollten schließlich auch vor unserer Kamera erzählen. Das ist nicht selbstverständlich, denn noch immer sind die Vorbehalte, die Berührungsängste in der Öffentlichkeit groß – leider ist das so.

(M) Welches Ereignis traf Sie „aus heiterem Himmel“?*

(R) Corona. Dieser „Ausnahmezustand“ hat wohl jeden von uns wie aus heiterem Himmel getroffen. Ich war im März 2020 gerade mitten im Urwald West-Sumatras auf einer abenteuerlichen Filmexpedition. Nur mit sehr großer Anstrengung und einer riesigen Portion Glück kamen wir buchstäblich mit dem letzten Flugzeug aus Indonesien noch rechtzeitig zurück nach Deutschland. Und dann: alle diese Regeln und Kontaktsperren. Die Isolation in Altenheimen, in den Gefängnissen. Jede Filmaufnahme war dreifach kompliziert überall – aber wir haben gedreht. Zum Beispiel den alten Bankräuber und Drogenkurier, der wegen Corona für paar Monate in die Haftunterbrechung geschickt wurde. Das kam für ihn echt wie aus heiterem Himmel.

(M) Wodurch unterscheiden sich Fiktion und Wirklichkeit der „Lebenswelt Gefängnis“ Ihrer Meinung nach am deutlichsten?

(R) Dazu kenne ich die „Lebenswelt Gefängnis“ zu wenig. Mir haben viele Gefangene davon erzählt und auch Ehrenamtliche vom „Schwarzen Kreuz“. Ich war in der Geschäftsstelle in Celle, in der die Hauptamtlichen mir halfen zu verstehen, wie das in den Haftanstalten so ist. Und allein die wenigen Drehaufnahmen in den JVA haben mich spüren lassen – es fühlt sich anders an, als im Spielfilm – obwohl ja eigentlich die „Tatort“-Filme dort enden, wo die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer beginnt – das ist jetzt ein von Otfried Junk „geklauter“ Gedanke – aber der ist wirklich wahrhaftig! Und der Mann kennt sich aus. Er war schließlich vierzig Jahre lang der Leiter der Hilfsorganisation „Das Schwarze Kreuz“.

(M) Haben Sie selbst vielleicht schon einmal etwas erlebt, das Sie „aus

heiterem Himmel“ traf und Ihren Lebensweg beeinflusst hat? Wie fühlt(e) sich das an?

(R) Ja. Es war eine Todesnachricht. Die 26jährige Juliette wurde erschossen. Wir drehten wenige Monate zuvor mit der vierfachen Mutter. Sie lebte mit ihren Kindern auf einer der größten Mülldeponien auf den Philippinen. Der Film erzählt die Geschichte einer katholischen Hilfsmission. Pater Heinz sagte mir damals: „Wir haben keine Hoffnung mehr, aber wir geben nicht auf!“ Das war so stark, das motiviert mich immer wieder auch in meiner Arbeit, wenn etwa „wie aus heiterem Himmel“ irgendwelche Ereignisse meine Recherchen oder Reportageprojekte plötzlich behindern. Aufgeben ist niemals eine Option. Und so habe ich auch die Ehrenamtlichen vom „Schwarzen Kreuz“ erlebt – sie lassen sich auch nicht von Covid-19 in ihrer Straffälligenhilfe ausbremsen – sie suchen und finden zeitweilig andere Wege, um Brücken zu bauen und die Kontakte zu wahren.

 

*“Aus heiterem Himmel“ soll das Motto des Jahreskalenders 2022 werden. „Das Schwarze Kreuz“ gestaltet für die Inhaftierten solche Kalender.

Mehr zum Thema

Ein Bericht über den Filmdreh

Homepage Das Schwarze Kreuz

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